Titel:
BIBLIA Das ist Die ganze Schrift Altes und Neues Testaments Teutsch
Herrn Doktor Martin Luthers
Mit den Summarien Herrn Johann Saubertis
und beygefügtem vielfältigem /lehrreichem Nutzen aller und jeder Kapiteln
von Herrn D.Salomon Blassen u. gezeigt; anjetzo aber / mit ganz neuen Kupfferstichen und schönen Figuren wie auch unterschiedlichen Registern geziert und mit Fleiß von neuem übersehen und verbessert;
Samt einer Vorrede
Herrn
Johann Michael Dilherns
Mit Chur - Fürstlichem Sächsischem Privilegio
Nürnberg
In Verlegung Johann Andreä Endters Seel.Söhne
MDC XCIII
Von 1613 bis 1792, also beinahe 2 Jahrhunderte lang, druckte die erfolgreiche Familie Endter in Nürnberg den Text von Luthers Bibel. Die Leistungsfähigkeit und Kompetenz der Druckerei, sowie die Verkehrsgunst des Handelsplatzes Nürnberg veranlasste die sächsischen Herzöge, Ihre repräsentativen Bibel jenseits der eigenen Grenzen drucken und vertreiben zu lassen.
Die Dilherr-Bibel
Wegen des sehr hohen Aufwandes, den die Weimarer Bibel erfordert hatte, gab Wolfgang Endter der Ältere 1656 eine weitere Variante heraus, die unter der Verantwortung des eben genannten Nürnberger Pfarrers und Rhetorikers Johann Michael Dilherr (1604-1669) stand. Die Dilherr-Bibel garantierte den Endters die größten Erfolge, Von 1656 bis 1788 erschienen mindestens 32 Ausgaben. Sie bieten den reinen Text der Luther-Bibel fortlaufend, eignen sich demnach auch zum Vorlesen in der Familie und sind durch ihre in den Text eingestreuten zweispaltigen Holzschnitte Bilderbuch zugleich.
Georg Wolfgang Panzer ergänzt in seiner Geschichte der Nürnbergischen Ausgaben der Bibel: Vermuthlich wollte die Endterische Buchhandlung, die stark mit Bibeln handelte, noch eine Folioausgabe haben, dergleichen man damals zum Hausgottesdienst gerne hatte. Dieser Bibelausgaben bedient man sich meistens in den hiesigen Kirchen zu den öffentlichen Vorlesungen der Capitel, in den Frühmeßen, Früh und Vesper Chören. Ehehin brauchte man die Lüneburgischen dazu; die aber jetzt durch die Dilherrischen meistens verdrängt worden sind.
Wer es sich leisten wollte, nahm die Kupferstich-Lagen mit den 14 sächsischen Kurfürsten und Herzögen hinzu und hatte damit auch eine kleinere Kurfürstenbibel.
Ein sog. Frontispiz, ein den Haupttitel zierendes Bildblatt, das meist links von der Haupttitelseite eingebunden ist, kann bei einer Dilherr-Bibel oft der einzige Kupferstich - abgesehen von den Herrscher-Bildern, sein.
Ökonomisch wurde auch seitens der Druckerei vorgegangen. Man versah einzig und allein die Haupttitelseite unten mit dem Erscheinungsjahr. Alle anderen Zwischentitel blieben ohne Jahreszahl. So konnte man nicht nur diese Titelblätter weiterverwenden, wenn sie von einer früheren Auflage übrig geblieben waren. Man verfuhr auch so mit allen noch vorhandenen Bogen oder Lagen, insbesondere bei den Weimarer Bibeln mit den Kupfern.
Umgekehrt konnte es passieren, dass sich die zahlreich verwendeten Zierstücken (Initialen, Vignetten, Zierleisten. Rahmen der Textholzschnitte u.ä.), die als Holzschnitte mit dem Bleisatz zusammen gedruckt wurden, stärker abnutzten als die Bleibuchstaben und ausgetauscht werden mussten. Stand kein identisches Stück zur Verfügung, wich man auf andere Muster aus, so dass oft eine Auflage nicht in allen Exemplaren völlig identisch ist. Dies erschwert die Bestimmung von Fragmenten ungemein, da die Familienbibeln in Privatbesitz oft ihrer Titelblätter verlustig gingen.